In der heutigen digitalen Ära nutzen immer mehr Unternehmen Künstliche Intelligenz (KI), um Verträge zu erstellen. Dies soll allseits zur Zeitersparnis, Effizienzsteigerung und vor allem Kostenersparnis beitragen. Auf den ersten Blick scheinen diese Ziele erfüllt zu werden. Allerdings trügt der Schein und der Effekt verkehrt sich oft ins Gegenteil.
Hintergrund
Nach einer Studie von EBU von Oktober 2025 ist jeder zweiten Beitrag von LLMs, also einer generativen KI in Form eines Chatbots, fehlerhaft und damit falsch. Zudem hat OpenAI jüngst ChatGPT in den Bereichen Gesundheit, Finanzen und Recht einen Riegel vorgeschoben, sodass ChatGPT keine Aussagen mehr in diesen Bereichen treffen kann und darf. Dies soll dem Schutz der Anwender:innen dienen, sich nicht auf falsche Aussagen in diesen besonders schutzbedürftigen Bereichen zu Verlassen. Wer setzt schon gerne seine eigene Gesundheit aufs Spiel?
Im rechtlichen Bereich geht Open AI damit sicher, nicht in den regulierten Bereich des Rechtsdienstleistungsgesetzes (RDG) zu fallen, oder gar rechtsberatende Tätigkeiten zu übernehmen.
Denn dort wo mit Wörtern und Schrift grazil, um nicht zu sagen besonders kompliziert, gewerkelt wird, hat Wort und Schrift auch besondere Bedeutung.
Fehlende juristische Präzision
Verträge werden erstellt um Sachverhalte zu regeln, die beweisbar sein sollen, die komplex sind, die sich um hohe Summen drehen, die bestimmt festgelegte Verhaltensweisen statuieren sollen etc. Inhaltlich ist dies zwischen den Parteien in der Regel klar. Aber wer hat nicht schon mal in einem Streit negiert, alles genau so verstanden zu haben, wie mündlich vereinbart?
Hier helfen auf Papier gebrachte Worte. Diese müssen klar sein und genau das ausdrücken, was gemeint ist.
Hier schon greift eine der Tücken der KI. Wörter, die im normalen nicht juristischen Sprachgebrauch synonym verwendet werden, werden hier durcheinander geworfen. Doch haben diese Wörter abseits des Umgangssprachlichen eine ganz andere, wenn nicht sogar konträre Bedeutung.
Die juristische Sprache glänzt nicht mit allgemeiner Verständlichkeit und Einfachheit. Dafür glänzt sie mit Präzision. Diese Präzision gestaltet im Streitfall den entscheidenden Unterschied und kann vor wesentlichen nachgelagerten Kosten bewahren.
Fehlende Auffassungsgabe
KI-Systeme basieren auf Algorithmen und Daten, die ihnen zur Verfügung gestellt werden. Das bedeutet, dass die Datenbasis aus gemischten Quellen kommt. In der Regel behalten Anwält:innen bzw. Kanzleien ihre Vertragsmuster gut unter Verschluss. Daher werden solch professionelle Verträge nur die absolute Minderheit in der Datenbasis ausmachen. Der überwiegende Rest der Datenbasis wird aus reichlich unprofessionellen oder veralteten Quellen kommen.
Hinzu kommt, dass es nicht nur um die Qualität des Vertrages als solchen ankommt. Dahinter steht auch die Auffassung und Verwertung des Sachverhalts. In der Regel wird der vorgetragene Sachverhalt nicht zu einer gänzlichen rechtlichen Bewertung ausreichen. Daher stellen Anwält:innen Nachfragen diesbezüglich. Diese mögen teilweise irrelevant erscheinen, haben jedoch große Auswirkungen die Beratung und Vertragserstellung. Hier fehlt der KI schon das Bewusstsein, diese Fragen zu stellen.
Fehlendes Bewusstsein für Haftungsrisiken
Verträge werden gestaltet, um Haftungsrisiken zu minimieren. Wenn diese Haftungsrisiken in einem Vertragswerk nicht minimiert bzw. behandelt werden, lässt dies ein breites Feld für Angriffe offen, die zum Ruin führen können. Um dem entgegenzuwirken, müssen diese Haftungsrisiken gesehen werden. Das geht oft Hand in Hand mit den oben abgehandelten Sachverhaltsaufklärungen.
- Gibt es branchenspezifische Haftungsrisiken oder branchenspezifische Regularien (Finanzen, Gesundheit, Recht, Energie, Infrastruktur, Rüstung etc.)?
- Besteht die Gefahr, in die Bewertung dieser Branchen hineinzufallen, obwohl keine Branchenzugehörigkeit besteht (Maklertätigkeit vs. Anlagenvermittler oder Anlagenberater; Nahrungsergänzungsmittel bzw. Lebensmittel vs. Heilmittel und Gesundheit, etc.)?
- Ist die andere Partei in einer der Branchen und hat das Auswirkungen den Vertrag oder die eigene Bewertung?
- Besteht überhaupt eine Möglichkeit, das eigene Recht durchzusetzen?
Aber auch andere Haftungsrisiken können bestehen z.B. weil die Gerichte (insbesondere die Rechtsprechung der Bundesgerichte; BGH, BAG, BSG, BFH, BVerwG, BVerfG oder sogar der europäischen Gerichte; EuG und EuGH) dies so sehen. Ganz typisch hierfür sind z.B. Klauseln zur Vertragsstrafe. Oder die Abgrenzung der Arbeitnehmerstellung zu einer Selbständigkeit.
Folgen
Die gewollte Kostenersparnis kann sich sehr leicht in eine Erhöhung der Kosten umkehren, da im Zweifel der Vertrag unzureichend ist und im Nachhinein Rechtsanwält:innen beauftragt werden müssen. Diese können aber auch nur mit dem Arbeiten, was bereits vereinbart wurde. Folgerichtig kann ein Anspruch auf Grundlage eines evtl. nichtigen Vertrages nicht durchgesetzt oder ausreichend verteidigt werden.
Die Anfangs gedachte Effizient ist im Falle eines Rechtsstreits nicht mehr gewährleistet. Dies muss nicht nur darin bestehen, dass die Vertragsparteien sich untereinander sperren. Auch etwaige Aufsichtsbehörden können mit Sanktionen drohen. Dies kann z.B. das Verbot des Neukundengeschäfts oder eine Zwangseinstellung oder -Abwicklung, oder auch Geldbußen beinhalten.
Wer bereits einmal in einen gerichtlichen Prozess verwickelt war, weiß auch, dass dieser unter Umständen Jahre dauern kann. Die gewollte Zeitersparnis verkehrt sich so in einen Zeitaufwand, der erheblich höher und stressiger ist als angenommen. Dies alles getrieben durch anfängliche Ungeduld.
Fazit
Die Nutzung von KI zur Vertragserstellung kann sehr wohl Vorteile bieten. Allerdings sollten diese auch zum Vorteil genutzt werden und nicht überstrapaziert werden. So kann die KI ein geeigneter Sparringsparnter sein. Die KI kann zur Vorbereitung oder als Ergänzung genutzt werden. Die Kombination aus KI und Rechtsanwält:innen, ist bringt am Ende die gewollte Zeitersparnis, Effizienz und Rechtssicherheit, sowie Kosteneinsparung.
Sie können Ihren KI erstellten Vertrag von UPSTRAGT legal überprüfen lassen.